Page 5 - Tragödie_Obermeiser
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(...) Über die einzelnen Vorgänge in der Stube, welche alsdann folgten, kann ich keine genaue
                 Auskunft geben, nur weiß ich, dass ich das von den Jungen gebrachte Gewehr in die Ecke der
                  Wirtsstube gestellt habe.

                  (...) Später haben wir, meine Schwägerin und ich, uns gegenseitig geneckt und darauf habe
                  ich das Gewehr ergriffen und im Scherz damit abzudrücken versucht.
                  (...) Ich kann mir das fürchterliche Ereignis nicht anders erklären, als dass ich im Glauben
                  gewesen bin, meinen ungeladenen Karabiner in der Hand zu halten, der allerdings 1 Fuß

                  länger als die Flinte des Hermann Hold ist.
                 (...) Meine Schwägerin ist, da wir das aus der Wunde fließende Blut nicht zu stillen vermochten,
                  nach kaum einer Stunde gestorben.

                Heinrich Wilhelm Jäger



               Am  Montag,  dem  22.  November  1886,  wurde  in  Obermeiser,  auf  Ersuchen  der
               Staatsanwaltschaft, die Obduktion der Leiche von Anna Katharina Lind vorgenommen. Zu
               diesem Zweck sind die Ärzte Dr. Plett und Dr. Lohmann sowie der Amtsgerichtsrat Riess und
               der Referendar Pitel angereist.

               Während die Ärzte den medizinischen Teil der anstehenden Arbeit verrichtet haben, wurden
               von den beiden Justizbeamten alle maßgeblichen Zeugen des Vorfalls vernommen.
               In  ihrem  Gutachten  kommen  die  Ärzte  zu  dem  Ergebnis,  dass  Anna  Katharina  Lind  an
               “Blutmangel gestorben ist“. Dieser Blutmangel ist auf die Verletzung der Oberschenkelarterie
               zurückzuführen, die von einem Schrotschuss hervorgerufen wurde. Die Wunde wurde am
               linken Oberschenkel, etwa daumenbreit von der Leistenfalte entfernt, vorgefunden.



























                                                                  Eine  Aufnahme  vom  28.05.1931:  Vor  dem  Gasthaus
                                                                  Himmelmann stehen (hintere Reihe von  links) Georg
                                                                  Schwarz,  Georg  Wolff,  Georg  Himmelmann,  Wilhelm
                                                                  Jordan,  Heinrich  Leck,  Georg  Schwarz  und  (vordere
                                                                  Reihe von links) Heinz Himmelmann sowie Hermann
                                                                  Neumeyer.
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