Page 10 - Tragödie_Obermeiser
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Der Todesfall von Anna Katharina Lind wird im Übrigen auch noch durch eine Eintragung in
               das  alte  Personenstandsregister  des  Standesamtes  Obermeiser  belegt.  Danach  ist  in
               Obermeiser am 20. November 1886 gegen halb zwei Uhr nachmittags die 19 Jahre alte Anna
               Katharina Lind, geboren zu Obervellmar,  ledigen Standes, Tochter des Gastwirts Konrad
               Lind, verstorben.

               Heinrich Wilhelm Jäger kehrt nach seiner Haftentlassung Mitte Dezember 1887 wieder nach
               Obermeiser zurück. Er stirbt nur einige Monate später, nämlich am 17. September 1888, im
               Alter von nur 29 Jahren im Gebäude der Gastwirtschaft.

               Die Todesursache ist nicht überliefert. Ob diese im Zusammenhang mit seiner Tat zwei Jahre
               zuvor  zu  suchen  ist,  bleibt  eine  reine  Spekulation.  Im  Hinblick  auf  seinen  bisherigen
               Lebensweg ist ebenso aber auch eine schwerwiegende körperliche Erkrankung möglich.

               Zu  Beginn  unserer  Erzählung  haben  wir  von  den  Merkmalen  einer  klassischen  Tragödie
               gesprochen. Nach dem Tod von Heinrich Wilhelm Jäger waren von der Familie nur noch seine
               Mutter Sophie Jäger, geb. Schweinsberg, und seine Tochter Gertrude Sophie Jäger am Leben.

               Einige Jahre später, am 13. Dezember 1900, stirbt Gertrude Sophie Jäger, die Tochter von
               Heinrich Wilhelm, im Alter von nur 16 Jahren an Scharlachfieber. Zurück bleibt nur noch
               Sophie Jäger.

               Wir  wissen  nicht,  was  in  ihrem  Herzen  vorgegangen  sein  muss,  wenn  wir  uns  vor  Augen
               führen,  dass  sie  zu  diesem  Zeitpunkt  schon  ihren  Ehemann,  alle  ihre  sieben  Kinder,  ihre
               Schwiegertochter, ihre angehende Schwiegertochter und ihre einzige Enkeltochter verloren
               hatte.

               Sophie Jäger, geb. Schweinsberg, ist am 29. Juni 1907 im Alter von 79 Jahren im Gebäude der
               Gastwirtschaft  verstorben.  Damit  hatte  eine  Familie,  die  in  Obermeiser  über  Jahrzehnte
               hinweg gelebt und gearbeitet hatte, aufgehört zu bestehen.

               Als Eigentümer des Gebäudes wird noch bis zum Jahr 1904 der Gastwirt Jäger genannt Von
               1904 bis 1908 gehörte das Anwesen zu 11/16 dem Gastwirt Johann Lind (Obervellmar) und zu
               5/16 der Firma Schartenberg zu Kassel.

               Erst danach erwirbt Heinrich Himmelmann, der aus dem Kirchweg stammte, das Eigentum
               an der Gastwirtschaft. Über einen Zeitraum von rund 50 Jahren etabliert sich nun unter der
               Leitung  der  Familie  Himmelmann  die  Gast-  und  Landwirtschaft  an  der  Holländischen
               Straße. Später errichtet die Familie einen neuen Aussiedlerhof am Burgpfad (Rische) und
               verkauft  das  Gasthaus  an  die  Familie  von  Paul  und  Erna  Sippel.  Diese  betreiben  die
               Gastwirtschaft, die Tankstelle und einen Gemischtwarenladen; die Landwirtschaft wird nicht
               weitergeführt.
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