Page 3 - Tragödie_Obermeiser
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(...) damit er Tauben schießen könnte. Der Hold hat den Jungen ein geladenes Gewehr mitgegeben,

               mit dem Bemerken, dass sie dem Jäger sagen sollten, es sei geladen. Die Jungen haben darauf den

               Jäger auf der Bank in der Wirtsstube schlafend angetroffen, das Gewehr deshalb auf den Tisch

               gelegt. Als der Jäger erwacht ist, hat der Wagner ihm mitgeteilt, das Gewehr sei geladen. Trotzdem

               hat derselbe die Unvorsichtigkeit begangen, dass er mit dem Gewehr noch Scherz getrieben hat.

               Der Jäger war ganz außer sich und konnte ich deshalb nähere Angaben von ihm nicht erhalten.

               Zur Bewachung desselben sind einige Leute seitens des Bürgermeisters bestimmt worden, indem

               ich da der Jäger der Flucht nicht verdächtig ist, von einer Verhaftung desselben vorläufig Abstand

               genommen habe.

               Das Gewehr habe ich beschlagnahmt und dem Bürgermeister in Obermeiser zur Aufbewahrung
               übergeben.
                 Jellhäuser
                 -Berittener Gendarm der
                11. Gendarmerie-Brigade-

                                                           Bürgermeister Hold schrieb am gleichen Tage an das
                                                           Amtsgericht und an die Staatsanwaltschaft:



                                                                         Obermeiser, d. 20ten November 1886


                                                           Königliches Amtsgericht zeige ich hiermit gehorsamst
                                                           an, dass der Gastwirt Heinrich Wilhelm Jäger dahier,
                                                           heute Nachmittag gegen ½ 2 Uhr seine bei ihm zu
                                                           Besuch  weilende  Schwägerin,  die  unverheiratete
                                                           Anna Katharina Lind von Obervellmar durch einen
                                                           Schuss aus einem vermutlich nicht geladenen Gewehr
                                                           derartig  verletzt  hat,  dass  der  Tod  nach  ungefähr
                                                           einer Stunde eingetreten ist.

                                                           Anzeige an die Staatsanwaltschaft ist erstattet, das
                                                           bezügliche Schreiben geht heute Abend noch mit der
                                                           Post dorthin ab. Ich verlange gehorsamst, das Weitere
                                                           alsbald veranlassen zu wollen.

                                                           Hold

                                                           -Bürgermeister-

               So    sah   ein   Landgendarm   der   11.
                 Gendarmerie-Brigade  in  unserer  Gegend
                 damals aus.


               Einige Zeit nach dem Unglücksfall hat sich auch Konrad Lind, der Vater von Anna Katharina, an die

               Staatsanwaltschaft gewandt und um Aufklärung und eine eingehende Untersuchung gebeten:
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