Page 4 - Flugzeugabsturz_Obermeiser
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Das Kriegsgeschehen berührt noch nicht massiv den öffentlichen
           Alltag der nordhessischen Bevölkerung. Erst Mitte 1942 mit den
           ersten empfindlichen Luftangriffen auf Hamburg schreitet der
           Tod  unaufhaltsam  ins  Landesinnere.  Luftschutzübungen,
           Abwehrvorkehrungen und gezielte Propaganda der Gauleitung
           wiegen die Einwohner in gespannter vermeintlicher Sicherheit.
           Auch  in  dem  kleinen  Ort  Obermeiser  werden  sog.
           Volksgasmasken für den Notfall im Bürgermeisteramt, das auch
           1943  den  Kindergarten  beherbergt, gelagert.  Von  ca.  93  Stck.   Kopierschutz
           sind 2/3 für Frauen und 1/3 für Kinder markiert. Die Niederlage
           in   Stalingrad   und   die   zunehmende     Anzahl   der
           Sterbenachrichten gefallener Soldaten in der Tagespresse lassen
                                                                        Volksgasmaske für den Zivilschutz.
           bei vielen Bürgern die ärgsten Befürchtungen aufkeimen.


          Nachdem Mittel der herkömmlichen Kriegsführung nicht die angestrebte Wirkung erreichen, um die NS-Diktatur
          zur bedingungslosen Kapitulation zu zwingen und als Reaktion auf deutsche Luftangriffe gegen London oder
          Coventry  wird  auf  Betreiben  der  Britischen  Kriegsführung  die  Anwendung  der  "Moral-Bombing-Strategie"
          beschlossen. Das sieht im kriegstechnischen Sinn die Flächenbombadierung von dichtbesiedeltem Gebiet vor.
          Rote,  grüne  und  weisse  Leuchtmarkierungen,  sogen.  "Christbäume"  werden  mit  der  Vorhut  durch  die  PFF
          "Pathfinder  Force"  abgesetzt.  Danach  kommen  Luftminen  zum  Einsatz,  die  durch  ihre  Druckwellen  grosse
          Öffnungen in Dächer und Wände freilegen. Dann folgen Sprengbomben, die Gebäude zum Einsturz bringen und
          Bunker sowie Luftschutzkeller verschütten. Brandbomben entfachen einen bewusst kalkulierten Feuersturn, der
          alles zerstört, was er mit seiner todlichen Energie umschliesst. Ziel ist, die Moral der Zivilbevölkerung zu brechen.

          Die Crew der 166. Squadron der RAF "Royal Airforce" wird in der Vorbereitungsphase zum Einsatz gegen Kassel
          dementsprechend eingewiesen. Die Bomberbesatzungen rekrutieren sich ausnahmslos aus Freiwilligen, die sich
          ihrer Mission bewusst sind. Die No.166 "Schwere Bomber Staffel" der RAF wird im Januar 1943 neu formiert. Die
          ED366 Besatzung trainiert ab 10.10.1943 in der HCU 1656 (Heavy Conversion Unit) der RAF Lindholme ihren
          Lancaster-Einsatz  und  ist  danach  am  Flugfeld  von  Kirmington  stationiert,  heute  Humberside  International
          Airport.



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                                                                        Das  Dorf  Kirmington  mit  rund  300
                                                                        Einwohnern     liegt   nahe    an    der
                                                                        mittelenglischen Ostküste, auf der Höhe von
                                                                        Manchester. Westlich vom Dorfkern sind        3
                                                                        Landebahnen überlappend angeordnet, die
                                                                        ein Dreieck bilden, an deren Längsseiten die
                                                                        Infrastruktur der RAF Basis angeordnet ist.




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