Der Versuch einer Geschichte des Dorfes Obermeiser

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Im Jahre 1870 – 1871 wird der deutsch-französische Krieg zwischen dem Kaiserreich Frankreich auf der einen und den deutschen Staaten unter der Führung Preußens auf der anderen Seite geführt. Auslöser war ein Streit um die spanische Thronfolge. Der Krieg ist der dritte und letzte der deutschen Einigungskriege. In seiner Folge kam es zur Gründung des Deutschen Kaiserreiches und zum Ende des Kaiserreichs Napoleon III. Nach der Niederlage der französischen Armee wird Napoleon III als Gefangener nach Kassel-Wilhelmshöhe gebracht.
Aus Obermeiser müssen erneut Männer in die Schlacht ziehen. Die Ehrentafel, die sich in der Kirche befindet, verzeichnet dazu folgendes:
Zur Erinnerung der aus der Gemeinde Obermeiser im Jahre 1870 – 71 gegen Frankreich ausgezogenen Krieger

                                                                                                  

Engelhard Anrecht Wilhelm Dietrich Neumeyer  
Joste Heinrich Brasse Ludwig Rudolph  
Georg Brasse Wilhelm Rudolph  
Christoph Brasse Johannes Schwarz  
Wilhelm Gabel Friedrich Wilh. Schulze  
G. Wilh. Himmelmann Karl Schulze  
Hermann Hold Wilhelm Schulze  
Georg Jordan Heinrich Thiele  
Georg Lohne Johann Weidemann  
Ferdinand Landefeld    

 

Gott brach des Feindes starke Macht,
Er hat uns Ruh und Ruhm gebracht
Allein ihm sei die Ehre!

Das Jahr 1886 verzeichnet eine Untersuchung der preußischen Staatsanwaltschaft gegen den Gastwirt Heinrich Wilhelm Jäger zu Obermeiser wegen fahrlässiger Tötung seiner Schwägerin Anna Katharina Lind aus Obervellmar durch einen Gewehrschuss.
Die Gemeindeakten der Jahre 1906 – 1912 befassen sich in wesentlichen Teilen mit dem Bau und der Erweiterung der Wasserleitung und der Wasserversorgung der Gemeinde Obermeiser.

In den Jahren 1914 – 1918 müssen erneut Männer aus Obermeiser in den Kampf ziehen; es tobt der 1. Weltkrieg. Obermeiser hat in diesem Ringen 21 Gefallene zu beklagen.

Das Ehrenmal auf dem Friedhof Obermeiser zeigt die Namen der Gefallenen:

Auf dem Felde der Ehre gefallenen Helden der Gemeinde Obermeiser

Musketier Dietrich Leck, geb. 27.12.1892, gef. 03.08.1914 Lüttich
Wehrmann Heinrich Himmelmann, geb. 06.04.1882, gef. 11.11.1915 Flandern
Kanonier August Jordan, geb. 01.05.1893, gef. 12.01.1915 Rußland
Ersatz-Reservist Karl Drebes, geb. 16.07.1888, gef. 05.03.1915 Rußland
Unteroffizier Artur Sittig, geb. 19.06.1871, gest. 09.04.1915 Lazarett
Ersatz-Reservist Heinrich Schwarz, geb. 15.09.1891, gef. 08.05.1915 Ypern
Landsturmmann Heinrich Thiele, geb. 21.05.1882, gef. 15.09.1915 Rußland
Ersatz-Reservist Friedrich Wagner, geb. 04.04.1889, gef. 10.04.1916 Verdun
Gefreiter Georg Engelbrecht, geb. 04.07.1891, gef. 28.04.1916 Verdun
Reservist Ernst Zuschlag, geb. 04.07.1887, gef. 22.09.1916 Somme
Musketier Eduard Thiele, geb. 26.04.1890, gef. 15.10.1916 Rußland
Musketier Karl Fehling, geb. 25.07.1896, gef. 20.10.1916 Somme
Landsturmmann Georg Claus, geb. 08.07.1888, gest. 07.11.1916 Lazarett
Musketier Wilhelm Richeling, geb. 19.04.1897, gef. 21.08.1917 Rumänien
Schütze Heinrich Finis, geb. 04.07.1896, gef. 13.07.1918 Verdun
Kanonier Karl Pfläging, geb. 03.11.1896, gef. 29.09.1918 Cambrai
Landsturmmann Heinrich Croll, geb. 18.01.1883, gest. 14.10.1918
Jäger August Wagner, geb. 03.04.1888, gest. 14.11.1918 Lazarett Kreuznach

An den Folgen erhaltener Krankheiten durch den Krieg starben in der Heimat

Kanonier Georg Wagner, geb. 13.12.1874, gest. 22.10.1918
Landsturmmann Ferdinand Zuschlag, geb. 11.10.1878, gest. 02.06.1920
Sergeant August Zuschlag, geb. 22.10.1885, gest. 14.09.1921

 

Die Chronik gibt die Einwohnerzahl Obermeisers im Jahre 1933 mit 513 Personen und im Jahre 1939 mit 511 Personen an.

In Obermeiser wird im Jahre 1934 die Freiwillige Feuerwehr gegründet.

In den Jahren 1939 bis 1945 tobt in Europa und Teilen von Afrika und Asien der      2. Weltkrieg. Neben den fechtenden Soldaten hat die Zivilbevölkerung die größten Opfer dieser kriegerischen Auseinandersetzung zu tragen. Es muss davon ausgegangen werden, dass in diesem Krieg mehr als 55 Millionen Menschen ihr Leben verloren haben.

Die Stadt Kassel ist am 22. Oktober 1943 das Ziel eines schweren Bombenangriffs. Sie ist als Standort verschiedener Rüstungsbetriebe und als Sitz des Generalkommandos des IX. Armeekorps ein Vorrangziel der britischen Bombergruppen. Insgesamt werden 486 Maschinen mit zusammen 1.841 Tonnen Bomben eingesetzt, die von Flugplätzen in Südengland gestartet werden. Um 20.45 Uhr fallen die ersten Bomben. Die Bilanz dieses Angriffs ist der Verlust von mehr als 12.000 Menschenleben und die Einäscherung einer Fläche von etwa fünf Quadratkilometern. Auch Menschen aus Obermeiser sind unter den Opfern. Der Feuerschein über der brennenden Stadt kann nach Erzählungen von Zeitzeugen bis in unser Dorf gesehen werden.
Von der Luftabwehr getroffen, muss einer der britischen Bomber an der Gemarkungsgrenze zwischen Obermeiser und Westuffeln (Oppermanns Berg) notlanden. Die zu Tode gekommenen britischen Flieger werden zunächst in Westuffeln bestattet, um dann später auf einen anderen Friedhof umgebettet zu werden.

Um den Einwohnern unseres Dorfes Schutz vor den Luftangriffen zu ermöglichen, werden im Linderfeld (am Standort der so genannten "Grünen Bank") zwei Stollen seitwärts in den Tannenmühlenberg getrieben. Es bleibt damit bei einer eher symbolischen Geste, denn bedeutsamen Schutz können diese Erdbunker nicht bieten. Die Stollen werden später von den Amerikanern gesprengt und man kann heute sogar noch den Einschnitt in die Flanke des Berges sehen bzw. erahnen. 

Am Osterwochenende (01./02.04.) des Jahres 1945 werden große Teile des Altkreises Hofgeismar von den Truppen der 2. US-Infanteriedivision (Kommandeur war Generalmajor Walter M. Robertson) eingenommen. Obwohl abzusehen ist, dass der Krieg für Deutschland bereits verloren ist, leisten an verschiedenen Stellen noch kleinere Restverbände der Wehrmacht und der Waffen-SS erbitterten Widerstand.

Während in Hofgeismar am 05. April von einem Zug der 2. Kompanie der schweren Panzerabteilung 507 (ausgerüstet mit so genannten Jagdpantern) noch drei amerikanische Panzer abgeschossen werden, greifen die Reste einer deutschen Einheit am 01. April einen amerikanischen Spähtrupp bei Calden an. Mehrere Häuser werden daraufhin von den Amerikanern in Brand geschossen.

Obermeiser bleibt von den Kampfhandlungen weitestgehend verschont. Obwohl bereits erste Vorauskommandos der Amerikaner im Dorf stehen, versucht eine Restgruppe deutscher Soldaten, die ihre Fahrzeuge im Bereich der unteren Mühle (Bringmann) abgestellt hat, durch das Bachbett der Warme in den Ort einzudringen. In Höhe der heutigen Landesstraße (Brücke) über die Warme kommt es zu einem Schusswechsel. Im Balkenwerk verschiedener Gebäude lassen sich heute noch die Einschusslöcher der Infanteriegeschosse auffinden. Bei der Besetzung des Bürgermeisteramtes (im Wohnhaus des Bürgermeisters Dietrich Lohne) haben die Amerikaner einen schwer verwundeten Soldaten bei sich, der in der Küche des Hauses die erste medizinische Versorgung erhält.

 

Die Menschen in Obermeiser haben für den grauenhaften Weltkrieg einen furchtbaren Blutzoll zu entrichten. Insgesamt 55 Menschen sind gefallen, vermisst oder waren Opfer des Bombenkriegs. Auf dem Friedhof in Obermeiser befindet sich das Ehrenmal für die Opfer im 2. Weltkrieg (1939 – 1945).

Den Opfern 1939 – 1945

Es sind gefallen:

Emil Neumeyer + 16.06.1940
Albert Lohne + 15.08.1941
Wilhelm Fehling + 22.01.1942
Josef Hofer + 29.03.1942
Walter Göttlicher + 25.05.1942
Hermann Neumeyer + 22.07.1942
Wilhelm Heer + 28.09.1942
Mathias Ottenbreit 06.07.1943
Ludwig Wagner + 17.08.1943
August Aschoff + 18.08.1943
Johann Hammer + 11.02.1944
Wilhelm Fleischer 25.03.1944
Karl Göttlicher + 25.03.1944
Anton Drahziel + 23.07.1944
Karl Sünder + 29.07.1944
Wilhelm Claus + 20.09.1944
Ferdinand Herd + 25.11.1944
Karl Luttropp + 04.12.1944
Katharina Ottenbreit + 01.01.1945
Otto Heer + 08.03.1945
Kurt Bardtke + 15.03.1945
Jos. Peer + 16.07.1944
Heinrich Langendorf + 24.03.1945

Es blieben vermisst:

Willibald Hettler + 02.11.1941
Wilhelm Szesny + 20.11.1942
August Schmidt + 25.12.1942
Erich Sünder + 01.01.1943
Paul Krisedat + 26.06.1944
Karl Jordan + 20.07.1944
Willi Humburg + 02.08.1944
Heinrich Lohne + 06.08.1944
Karl Hold + 18.04.1944
Wilhelm Hold + 23.08.1944
Willi Wolff + 01.011.1944
Fritz Hold + 03.02.1945
Fritz Lohne + 22.02.1945
Wilhelm Neumeyer + 06.02.1945
Arthur Sittig + 14.02.1945
Willi Richeling + 20.02.1945
Günther Leck + 05.03.1945
Heinrich Lindemann + 05.03.1945
Fritz Schmidt + 05.03.1945
Robert Prosser + 15.03.1945
Georg Claus + 01.05.1945

Es starben:

Edgar Göttlicher + 08.09.1940
Georg Zuschlag + 15.10.1941
Fritz Hold + 01.04.1944
Hermann Bringmann + 14.03.1945
August Zuschlag + 25.06.1945
Karl Thiele + 27.01.1946

Den Toten des Bombenkrieges:

Anna Hold + 23.10.1943
Gretchen Seydler, geb. Kurz + 23.10.1943
Ludwig Stiehl 22.09.1944
Else Sippel + 20.09.1944

Vergiss mein Volk die treuen Toten nicht!

Das Ehrenmal enthält auch die Namen der Verstorbenen, deren Angehörige als Flüchtlinge während und nach dem Krieg in Obermeiser Zuflucht gefunden haben. In ihrer Heimat bestand durch Flucht und Vertreibung keine Möglichkeit mehr, für ihre Verstorbenen und Gefallenen eine Stätte der Erinnerung und Mahnung zu schaffen.

Deutschland wird von den Siegern – bereits vor Inkrafttreten der bedingungslosen Kapitulation – in Besatzungszonen aufgeteilt. Insbesondere in den westlichen Zonen müssen unzählige Flüchtlinge und Vertriebene aus den Ostgebieten aufgenommen werden.

Neben den Flüchtlingen sind bei Kriegsende auch viele entlassene oder versprengte Soldaten unterwegs, die versuchen, nach Hause zu gelangen. Viele dieser Soldaten erhalten auch in Obermeiser kurzfristig Unterschlupf und Verpflegung.

Zeitzeugen berichten aber auch darüber, dass ein Bewohner des Dorfes mehrere sich versteckt haltende deutsche Soldaten an amerikanische Militärpatrouillen verraten hat.  In Hohenborn werden zwei deutsche Landser beim Überqueren einer Weide durch amerikanisches Militär erschossen.

Die Not der Menschen ist groß. Die Wohnungsnot führt dazu, dass in viele Häuser in Obermeiser zusätzlich zur den eigentlichen Bewohnern noch Flüchtlinge zugewiesen werden müssen. Waren es zu Beginn des Krieges noch Evakuierte aus dem Saarland kommen die Flüchtlinge und Vertriebenen jetzt meist aus Ostpreußen, Schlesien, dem Sudetenland und aus Ungarn. Die Einwohnerstatistik von Obermeiser weist wenige Jahre nach Kriegsende 249 Vertriebene aus.

…(Fortsetzung folgt)…

 
 
 
 
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