Der Versuch einer Geschichte des Dorfes Obermeiser

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Aus dem Jahre 1786 existiert eine Akte betreffend den J.H. Brasse zu Obermeiser, der als Leibdragoner in dem Gefecht bei Korbach (1760) den Erbprinzen von Braunschweig aus französischen Dragonern herausgehauen haben will.

Im Jahre 1786 wird durch den Recificator Kann eine "Speziale Beschreibung der Dorffschaft Obermeißer – Amts Zierenberg" erstellt, die – aus heutiger Sicht – viele interessante Einzelheiten über unseren Ort enthält. Die vollständige Darstellung der Beschreibung würde den Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen. Daher erfolgt beispielhaft die Wiedergabe zu den "Bächen und Brunnen".

"Durchs Dorff fließet der Warmefluß. Hinter demselben aber ein Klein Bach, der sogenannte Nebell Bach, so von Westuffeln kommt, welche beide Wässer sich unterm Dorff bei der Untermühle conjugieren, und ihren Lauf nach Niedermeißer vollführen, bey Liebenau aber sich in den Diemel Strohm devolvieren. Mit ausgegrabenen Brunnens sind fast die mehresten Einwohner in und neben ihren Häusern versehen, woraus sie das nöthige Wasser schöppen, außer diesem sind auch hin und wieder verschiedene Quellen und Born Gesprünge angetroffen, so dass demnach dahier an gutem und gesundem Wasser kein Mangell erscheinet." 

1794 erfolgt eine Anzeige des Obristen von der Malsburg zu Hohenborn gegen den Malsburgischen Kurator Kehr in Obermeiser wegen Erpressung eines Geistlichen in Welda (Stift Paderborn).

Kurfürst Wilhelms Doppelspiel, mit Preußen nicht zu brechen, sich aber auch mit  Frankreich nicht zu verbünden, kostet ihn sein Land. König Ludwig von Holland, ein Bruder Napoleons, überschreitet mit seinem Heer die kurhessische Grenze bei Warburg und zieht am 1. November 1806 über Obermeiser (Holländische Straße) nach Kassel. Der Kurfürst bringt sich in Sicherheit und gelangt auf Umwegen nach Prag.

"Bei dem Kriege 1806 deren Durchmarsch und Aufenthalt unsere Gemeinde stark gelitten hat und durch holländische und französische Truppen sind nach einem Verzeichnis entstanden:

Abschrift: Spezification deren durch den Durchmarsch und Aufenthaltes, Kosten der königlich holländischen Truppen und sonstige französische Militär der Gemeinde Obermeiser Amt Zierenberg die der Begebenheiten des Königs vom 21. Februar 1806 bis Ende May 1807 verursachten Kosten.

     
Reichstaler
Albus
Heller
1.)
Für die Ordnung Fuhren von Kassel nach Kleinenglis, Göttingen, Wabern, Dransfeld
660
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2.)
Für 12 vierspännige Ordonanzfuhren von hier nach Kassel
48
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3.)
Für 16 vierspännige Ordonanzfuhren von hier nach Warburg
48
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4.)
Für 30 vierspännige Ordonanzfuhren nach Wettesingen und Niederlistingen
30
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5.)
Die Portionen von 1808 der hier einquartierten Soldaten deren 1423 sind thut in Summe
474
10
8
6.)
Der Rationen sind 463 und thut in Summe
154
10
8
7.)
Der einzeln da hier nach sich gehabten Marschroute bis hier her einquartierten Soldaten, sind 115 und thut in Summe
38
10
8
8.)
Die Portionen für den Gendarm, welche Rekruten transportierten sind gegen 45 und thut in Summe
15
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9.)
Deren durch die Gendarmen transportierten Rekruten sind bis hierhin gewesen und thuen in Portionen
31
21
4
10.)
Vom 01. Februar bis an den 02. November ins Lager bei Westuffeln geliefert 645 Brote und thut in Summe
20
5
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11.)
Desgleichen ist den Soldaten wegen dem Retourmarsch den 03. November dahier zugewogen 688 Pfund Brot und thut in Geld
21
16
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12.)
An Rindfleisch ist den 01. Februar 1806 vom Fleischlieferant nebst Kommand erpresst für einen fetten Ochsen und derselbe zu 375 Pfund thut
40
7
6
13.)
Desgleichen für eine nach Warburg gelieferte Kuh sozu 195 Pfund geschätzt thut
18
8
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14.)
Desgleichen ist an Hafer ins Lager geliefert 340 Rationen und Heu dieselben
180
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15.)
Folgende hiesige Einwohner sind gewaltsamerweise vom Militär an Pferden genommen
70
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  1. Wilhelm Hold – 2 Pferde nebst Geschirr
28
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  2. Christian Hold – 1 Pferd
50
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  3. Christop Bernd – 1 Pferd
40
24
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  4. Johann G. Zuschlag – 1 Pferd
41
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  5. Jost Heinrich Hold – 1 Wagen mit Zubehör
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  6. H. Wilhelm Hold – 1 Vorder- und Hinterwagen nebst 4 eisernen Ständelweigen und Ernteleitern
12
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  7. Für drei Stück Weigen mit Kettenstangen
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  8. An Brot ist den Einwohnern 555 Laibe a 8 Pfund abgenommen
12
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  9.
138
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Der Steuerdruck war in Hessen bald auf 5 ¾ Franc pro Kopf gestiegen und selbstverständlich nahm damit auch die Erbitterung der ländlichen Bewohner zu. Überall gährte es unter dem gewöhnlichen Volke, aber dank der vorzüglichen und rücksichtslosen Spionage der in französischem Solde stehenden Polizisten war Jerome von der Stimmung des Volkes so gut unterrichtet, dass er am 19.03.1809 Napoleon bat, ein französisches Regiment aus Magdeburg nach Cassel zu verlegen.

Als Wilhelm von Dörnberg in aller Heimlichkeit in Marburg Vorbereitungen dazu traf, mit Hilfe der hessisch gesinnten und hessisch fühlenden Landbewohner Jerome in Cassel zu überrumpeln, erklärten auch die Bewohner der Dörfer des Warmetals ihr Einverständnis zu Erhebung und Auflehnung.

Man einigte sich am 18.04.1809, den Aufstand gleichzeitig in Wolfhagen, Hofgeismar, Gudensberg und Homberg zu erklären und das Landvolk durch die Sturmglocke zusammen zu rufen und es rasch zu bewaffnen.

Leutnant Gottlob v.d. Malsburg-Hohenborn kam mit den Aufständischen aus Oberlistingen am 23. April über die Schartenburg nach Ehrsten und vereinigte sich auf dem Schachtener Triesch mit den Haufen aus Westuffeln und Obermeiser, welche von Leutnant von Spiegel geführt wurden. Nachdem noch mit den Meimbressern und Caldenern die Wölffe von Gudenberg zu den beiden Kolonnen gestoßen waren, geschah am 23. morgens 10 Uhr der Angriff auf Wilhelmsthal mit 4.000 Mann.

Von hier aus wandten sich die Freiheitskämpfer gegen das Dorf Dörnberg und versuchten dort eine Abteilung Jäger auszuheben. Hier in Dörnberg lösten die Führer, welche die Unmöglichkeit der Ausführung ihrer Pläne einsahen, die Haufen auf und verbargen sich wochenlang in den Wäldern des Guden- und Bärenberges. Später entkamen sie in das Waldecksche. Die Gebrüder Wolff von Gudenberg stellten sich 1810 und der von der Malsburg 1811 der westfälischen Polizei. Sie erhielten am 01. September bei dem Einzuge der Mutter von König Jerome in Kassel Begnadigung.

Die Mutter und die Braut von der Malsburg warfen sich vor die Pferde des Hofwagens, in welchem Lütitia saß und erflehten Begnadigung.

Hier im Dorf bestand eine Bürgergarde oder Schützengilde, die hatte 73 Lanzen und einen Degen für den Feldwebel.

An den Feldzügen gegen Russland lässt sich die Zahl der Mitstreiter nicht genau ermitteln. In der Schlacht bei Borodino in Russland am 07. September 1812 zeichneten sich die hessischen Truppen so aus, dass ihnen das uneingeschränkte Lob Napoleons zuteil wurde.

Nach einer Verfügung vom Amt Zierenberg sollten alle Greben (Bürgermeister) eine Liste einsenden, welche Einwohner von Russland nicht zurückgekommen sind.

Abschrift:

Die königliche Hoheit, der Kurfürst haben gnädigst befohlen, über das Schicksal ihrer in Russland zurückgebliebenen Untertanen Nachforschungen anstellen zu lassen, um deren Rückkehr ins Vaterland zu bewirken. Das Kurhessische Generalkriegskollegium hat daher mich mittels Schreiben eine Liste derjenigen Ober- und Unteroffiziere, Gemeinen und Knechte, welche den Feldzug nach Russland in den Jahren 1812 und 1813 mitzumachen genötigt gewesen und nicht wieder zurückgekehrt sind baldmöglichst aufzustellen und an oben genanntes Kollegium einzusenden.

Diese Listen sollen nach umstehendem Muster eingerichtet und in der hintersten Rubrik Bemerkungen die allenfalls wegen der einen oder anderen zuhause eingegangenen Nachricht über die weiteren Verhältnisse der Zurückgebliebenen, besonders wo sich solche dermal aufhalten oder welchem Erwerbszweig sie ausgeübt haben, eingetragen werden.

Die außen gedachten Greben haben daher ein jeder aus seiner Gemeinde eine solche Liste vollständig aufzustellen und binnen 14 Tagen an mich einzusenden, damit ich danach eine Hauptliste aufstellen und einsenden kann.

Der Kommandeur

Fortlaufende Nummer:
Vor- und Zuname der in Russland zurückgebliebenen Militärperson:
Ungefähres Alter desselben:
Regiment wobei sie gestanden:
Allenfalls eingegangene Nachrichten und weitere Verhältnisse der Zurückgebliebenen:
1
Heinrich Wilh. Damm
26 Jahre
Garde Voltigeur
dessen Aufenthalt ist ganz unbekannt
2
Friedrich Zuschlag
37 Jahre
Jäger Carabingeu
Aufenthalt desgleichen
3
Heinrich Friedrich Kehr
26 Jahre
desgl.
desgleichen
4
Johann Christoph Lüdecke
29 Jahre
5. Infanterie
Aufenthalt desgleichen
5
Johann Christoph Neumeyer
25 Jahre
Leichte Chascheur Regiment
desgleichen
6
Johann Christoph Müller
27 Jahre
4. Linien Infanterie Regiment
mag in Magdeburg gestorben sein
7
Henrikus Jordan
29 Jahre
1. Regiment Garde
soll aus Magdeburg desertiert sein
8
Johann Christoph Heuser
25 Jahre
7. Infanterie Regiment
wohnt in Altenburg bei Königsberg
9
Johann Auze
29 Jahre
desgl.
---
10
Johann Georg Thiele
29 Jahre
1. Regiment Garde
---
11
Johann Heinrich Thiele
31 Jahre
Chascheur Garde
von seinem Aufenthalt ist nichts weiter bekannt

Anfang 1813 musste das Königreich Westfalen abermals 20.000 Mann stellen, konnte aber den Zusammenbruch Napoleons nicht verhindern und bald kamen die Russen durch unser Dorf. Im Monat September 1813 standen die Russen unter Tschernitschew bereits vor Cassel. Nach kurzen Verhandlungen mit dem Verteidiger der Residenzstadt, Allir, erfolgte am 30. September die Übergabe Cassels an die Russen.

Allir zog noch am 30. September über Dörnberg, Ehlen und Wolfhagen nach Arolsen ab. Jerome hatte schon längst Cassel verlassen mit der Erklärung, dass er sich durch den Drang der Zeitumstände veranlasst finde, sich von seinen Staaten zu entfernen. Am 04. Oktober zogen sich die Russen zurück und bereits am 07. Oktober rückte von Mainz her ein französisches Corps unter Allir wieder in der Residenz ein. Allir hatte von Napoleon den strengen Befehl, die Ortschaften, welche die abziehenden französischen Truppen tätlich beleidigt hatten, unnachsichtig und exemplarisch zu bestrafen.                               

Am 26. Oktober 1813 verließ Jerome sein Königsreich und der Einzug des Kurfürsten in seiner Hauptstadt fand am 21. November 1813 statt. Die am 01. November 1806 beurlaubten Regimenter wurden wieder in ihre Garnisonen einberufen.

Auch in den Freiheitskriegen griffen die Hessen mutig ein und trugen damit auch ihr Teil zur endgültigen Befreiung Deutschlands von der Fremdherrschaft bei.

Im Januar 1814 zogen die Hessen unter Führung von Dörnbergs und von Müllers nach Frankreich; es waren mehr Ältere wie Jüngere aus dem Warmetale. Nach Einnahme von Paris kehrten im Juli 1814 unsere Freiheitskämpfer wieder in die Heimat zurück.

Auf Befehl des Kurprinzen war im Februar angeordnet worden, dass im ganzen Lande in den Kirchen Tafeln mit den Namen der ins Feld gezogenen Krieger angebracht wurden.

Ehrendenkmal

Für Kurhessens Vaterlandsverteidiger aus der Gemeinde Obermeiser im Kriege gegen Frankreich 1814.

Gottlob Theodor Heinrich Otto von der Malsburg und Patron dieser Kirche
Jost Heinrich Auze
Johann George Claus
Johann Heinrich Hold
Henrikus Hold
Jost Heinrich Hold
Johann George Hold
Chiranus Heuser
Christoph Hoffetitz
Christoph Wilhelm Kehr
Johann Christoph Kehr
Johann Christoph Kepper
Hartmann Müller
Johann Heinrich Schmidt
Wilhelm Schmidt
Christoph Sünder
Buth von Adele, Sieberhausen
Johannes Hold

Die Nachricht von Napoleons Flucht von Elba und sein Einzug in Paris rief auch die hessischen Regimenter wieder nach Frankreich. Nach der Schlacht von Waterloo am 18. Juni 1815 rückten die hessischen Truppen auf französischen Boden vor und unsere Kämpfer aus dem Warmetal nahmen an der Besetzung der festen Städte Charleville, Mizieres usw. teil und ernteten wegen ihrer besonderen Tapferkeit die Anerkennung Blüchers. Nach der endlichen Rückkehr der Truppen (04. November) aus den französischen Gauen kehrten auch für unsere engere Heimat wieder ruhigere Jahre friedlicher Entwicklung ein.

Die holländische Straße ist in der westfälischen Zeit gebaut worden; in einem Verzeichnis vom 27. Februar 1820 ist die Entschädigung verzeichnet, was die Einwohner für das abgetretene Land erhalten haben.

Im Jahre 1821 wird die Zuständigkeit des Amtes Zierenberg aufgehoben und Obermeiser gehört nun zum Kreis Hofgeismar (Justizamt Grebenstein).

Kurfürst Wilhelm I war 1821 gestorben und sein Sohn Wilhelm II (1821 – 1847) gab, obschon er sich lange genug dagegen gesträubt hatte, dem Drängen seines Volkes gehorchend, am 05. Januar 1831 dem Lande eine neue Verfassung. Zu gleicher Zeit wurde auch der Kurprinz Friedrich Wilhelm I zum Mitregenten seines Vaters berufen.
In den folgenden Jahren wuchs die Unzufriedenheit des Volkes mit den Maßnahmen der leitenden hessischen Minister und an vielen Orten entstanden Ruhestörungen. Die Nachrichten von der Februarrevolution in Frankreich wirkten wie ein unerwarteter Donnerschlag auf die erregten Gemüter der Hessen und es war nur dem gesetzlichen Sinne des Volkes zu danken, dass nicht sofort an allen Orten die Flammen des offenen Aufruhrs emporloderten.

Aus dem Jahre 1835 existiert eine Akte über ein Verfahren der Staatsanwalt gegen die Herren v. Spiegel zu Uebelngönne wegen Eingriffs in die dem Staate und der Familie von der Malsburg gemeinschaftlich zustehenden Fischereirechte in der Warme bei Obermeiser.

Die Gemeinde Obermeiser war verschiedenen Häusern zehntpflichtig und diese Lasten wurden in den Jahren 1835 – 1838 abgelöst. Bei der kurhessischen Landeskreditkasse wurde ein Darlehn von 8.800 Talern aufgenommen und diese Schuldverschreibung war von sämtlichen Einwohnern unterschrieben, die Besitz hatten.

Für das Jahr 1849 enthält die Chronik einen Hinweis auf den von der Gemeinde Niederlistingen zu zahlenden Beitrag zu den Kosten der Unterhaltung des Pfarrhauses in Obermeiser. Obermeiser hat zu dieser Zeit 616 Einwohner.

Das Jahr 1866 machte endlich der Selbständigkeit des Kurfürstentumes Hessen ein Ende und entthronte den letzten Hessenfürsten, der seine Zeit nicht verstand. Hessen-Kassel gehört nun zu Preußen.

Aus dem Jahre 1866 wird auch berichtet, dass eine Trennung des Hofes Sieberhausen von dem bisherigen Kirchenverband mit Obermeiser und die Vereinigung mit der Pfarrei Niederlistingen erfolgt ist.

 
 
 
 
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