Der Versuch einer Geschichte des Dorfes Obermeiser

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Widmen wir uns nun der Geschichte von Obermeiser:

Die ältesten Zeiten der hessischen Geschichte und auch die der Sondergeschichte unseres Tales sind in tiefstes Dunkel gehüllt. Julius Cäsar (102 bis 44 vor Christus) berichtet in seinem Buch über den gallischen Krieg (Buch 6, Seite 29), dass gallische Völkerstämme, von Osten kommend, bis zum Harz vorgedrungen seien und sich im Weser- und Diemelgebiet niedergelassen hätten.

Titus Livius (59 vor Christus) erzählt uns in seinem fünften Buch, Seite 34 ff., dass 616 bis 578 vor Christi Geburt keltische Völkerstämme in das heutige Hessengebiet eingewandert seien. Schon lange vor Christi Geburt herrschte also eine außerordentliche Unruhe und Beweglichkeit unter den größten deutschen Völkern, alle drängten dem Rhein, den wärmeren Landstrichen, zu.

Der Chattenstamm ließ sich in Niederhessen nieder und behauptete gegen das Sachsenvolk den in Besitz genommenen Boden. Der aus dem Wort Chatten gebildete Name Hessie oder Hessen taucht erst wieder im Jahre 720 auf, als die römische-kirchliche Mission in unserer Gegend ihre Tätigkeit entfaltete.

Ihrer Religion nach waren unsere Vorfahren Heiden. Sie dachten sich Naturerscheinungen als persönliche Wesen und erwiesen ihnen ihre göttliche Verehrung.

Die höchsten Götter waren: Wuotan, Donar, Ziu, Freia und Ostara. Wuotan, die geistige durchdringende Kraft, äußert sich im Brausen des Sturms und im Toben der Schlacht. Mit blauem Mantel angetan, der Himmelsfarbe, mit Helm und Harnisch, Schwert und Speer sitzt er hoch zu Ross, golden der Helm und golden des Pferdes Mähne, die Strahlen der Sonne. Ein Auge hat er nur, es ist die Sonne, die alles Sehende, das andere Auge hat Wuotan im Meer versenkt, das Verborgene zu erkennen.

Neben Wuotan zollten die Chatten dem Donar, dem Gott des Ackerbaues, der die befruchtenden Gewitter sendet, Verehrung. Dem Gott Ziu, dem Siegeshelfer, brachten die Chatten große Verehrung zuteil; die kräftigsten und gewandtesten Jünglinge veranstalteten zu gewissen Zeiten dem Ziu zur Ehre Schwerttänze.

Die Hauptfeste des Götterkultes waren vermutlich mit Versammlungen des Volkes vereinigt, in welchen die wichtigen Angelegenheiten beraten wurden. Die Feste dauern mehrer Tage und Opfer brachte man den Göttern dar.

Das fränkische Völkerbündnis war dem Sachsenvolk ein Dorn im Auge und unser Tal war oft genug ein Tummelplatz der streitenden Parteien, bald in den Händen der Sachsen und bald in den Händen der Franken.

Zurzeit Karl des Dicken von 876 bis 887 wird ein Graf Konrad zu Fritzlar genannt. In dem Kampfe dieser Fürsten gegen Adalbert von Bebenberg 906 stand das Aufgebot des sächsischen Hessengaues auf Seiten Konrads.

Der gleichnamige Sohn und Nachfolger wohnte als Graf von Gutenberg 908 in Fritzlar. Seine Macht und Einfluss waren weit größer als die seines Vaters und überstieg das Ansehen eines Herzogs, als dieser Konrad von Franken 911 die Kaiserwürde erlangte, übergab er die Verwaltung des Hessengaues seinem mächtigen Bruder Eberhardt.

Die Sachsen widerstrebten aber immer weiter der Herrschaft der fränkischen Richter und wollten sich, obwohl man ihnen sächsisches Recht gelassen hatte, dem Gutensberger Grafen nicht fügen. Infolge entbrannten zwischen Sachsen und Franken für letztere erfolglose Kriege.

Herzog Eberhard von Franken brachte 919 nach dem Tode seines Bruders, des Königs Konrads I., auf dessen Wunsch dem Sachsenherzog Heinrich die Krone. Das hinderte ihn jedoch nicht, dem Sohne Otto I. nach der Thronbesteigung den Kampf anzusagen, in dem Eberhardt 939 sein Leben verlor. Dabei kam es auf dem Meierhofe bei Laar am Walde, auf der rechten Seite des Warmebaches, wo sich heute noch Mauerreste und Verschanzungen zu finden sind, in denen sich Eberhardt gegen Otto zu behaupten versuchte, zur Schlacht.
Kaiser Otto übernahm den Hessengau nun als Reichsgut; für die Jahre 942-965 ist darin Graf Elli bekannt. Otto II. gab 980 den Gau an Kloster Korvey. Von ihm wurde 990 als Graf im Nethe-, Hessen- und Ittergau Dodichos eingesetzt. Dieser verwaltete das Gebiet von der Burg Warburg aus. Sie hieß damals wie die gleichnamige Burg bei Eisenach (Thür.) Wartburg und lag in dem nach Südwesten vorspringenden Teil der Stadt (Friedhof), die sich noch Jahrhunderte Wartburg nannte.
Der Gau, in lateinischen Urkunden "pagus" genannt, war bis zum Mittelalter die räumliche und auch politische Unterteilung des Siedlungsgebietes eines germanischen Stammes. Der Gau wiederum gliederte sich in mehrere Hundertschaften, auch Zenten genannt, vom lateinischen centum = hundert. Die Zent war die kleinste Einheit des Stammes, aber immerhin so groß, dass sie im    Kriegsfall hundert Krieger zum Kampf aufbieten konnte.
So grenzte Gau an Gau und in den frühen Urkunden wird die Lage der Siedlungen, über die es Rechtsgeschäfte zu beurkunden gab, oft nach dem dazugehörigen Gau näher bezeichnet. Solche Urkunden sind die sichersten Belege für die Existenz und die Ausdehnung eines Gaues.
Nach dem Tode Dodichos fielen die Lehen an das Reich zurück. Im Jahre 1019 wird in einer Schenkungsurkunde des Kaisers Heinrich des II. an das Kloster Kaufungen dem Kaisers Stifte Escheberg und Meschere (Meiser), im Hessengau gelegen und zu der Grafschaft Dodichos gehörig mit allem Zubehör übergeben.
Kaiser Heinrich II. gab die Grafschaft im nächsten Jahr dem tatkräftigen Bischof Meinwerk von Paderborn. Nach dem Tode Heinrich des II. kam der Frankenherzog Konrad auf den Kaiserthron. Nach seiner Thronbesteigung gab dieser, wahrscheinlich als Dank für geleistete Unterstützung bei der Kaiserwahl, die Grafschaft an Erzbischof Aribo von Mainz. Die Grafschaft Dodichos mit unserem Dorfe wurde sodann dem Grafen Benno von Northeim vermacht. 1033 wechselte sie wieder hinüber an Paderborn.
Wie weit damals zwischen Mainz und Paderborn ein Abkommen über die Abgrenzung ihrer Gebiete an der Diemel und Twiste vorgenommen wurde, ist nicht klar.

Im Ausgange des 11. Jahrhunderts war auf dem Schartenberg eine Burg entstanden. Ein wichtiger Höhenweg, die "Hohe Straße", zog dicht vorbei. Sie kam aus dem Kasseler Becken und führte über Heckershausen nach Weimar, südlich am Hangarstein, nördlich am Helfenstein entlang, am kleinen Schreckenberg und am Schartenberg vorbei nach Obermeiser. Im Grunde genommen ist die "Hohe Straße" die älteste "Holländische Straße", deren andere Zweige erst später ausgebaut wurden. Dieser wichtige Weg nach dem Nordwesten wurde von dem Schartenberg aus beherrscht. Im Tal der Warme lag eine karolingische Burganlage, die curtis Laar, sicherlich errichtet, um das Warmetal zu decken. bzw. die in westlicher Richtung von dort aus führende Straße. Als die Burg auf dem Schartenberg errichtet war, konnte von ihr aus sowohl das Warmetal wie auch die "Hohe Straße" beherrscht werden.

Sie war in der Frühzeit, als noch keine Städte bestanden, einer der wichtigsten Machtmittelpunkte im Diemelland.

Bild Burg

Wir wissen nicht, wann Schartenberg erbaut wurde, aber die Burg gehört zu den ältesten Bergschlössern Hessens. Die Bergnase mag schon lange befestigt gewesen sein, ehe uns als Besitzer im Jahre 1124 Graf Volkhold von der Malsburg genannt wird. Die Grafen von der Malsburg waren Amtsgrafen in der räumlich eng begrenzten Grafschaft Meiser-Schartenberg. Sie besaßen auch die Grafschaft Nidda in der Wetterau. Volkhold hatte zusammen mit einem Grafen Udalrich von Wartbach die Malsburg inne. Beide gaben im Jahre 1124 ihren Besitz dem Erzbistum Mainz und ließen ihn als Lehen zurückgeben. Volkhold übereignete Mainz nicht nur seine Hälfte der Malsburg, sondern auch die Schartenburg mit allem Grundbesitz, einst Eigentum einer Frau Anna, deren Töchter wohl Volkhold und Udalrich geheiratet haben. Daraus lässt sich schließen, dass Schartenberg schon vor dem Jahre 1100 bestanden hat. Die Burgbesitzer, die Ritter von Schartenberg, waren ein eigenwilliges Geschlecht, das wohl stets in die vielen Fehden des 13. Jahrhunderts im Diemelland verwickelt war.

Das Erzbistum hatte mit der Grafschaft Schartenberg einen neuen Machtmittelpunkt im Diemelland erhalten. Es gab sie den Grafen von Dassel zu Lehen, die auch im Grebensteiner Raum große Besitzungen hatten. 

Ludolf von Dassel verkaufte nun das Schloss Schartenburg und das Fundgericht Meiser an den Bischoff Simon von Paderborn. Weil aber beide Mainzisches Lehen waren und ohne die Einwilligung des Stiftes nicht verkauft werden konnten, so trat Paderborn mit Mainz in Verhandlungen; nach dem getroffenen Übereinkommen sollten die Kaufstücke jedem die Hälfte zufallen.

Im Jahre 1200 gehörte Meschere (Obermeiser) einem Wiegand und gehörte der Herrschaft Schartenberg an. Es kam mit der Herrschaft Schartenberg an Hessen. Ein Viertel des Dorfes war seit 1422 hessisches Lehen der Spiegel (von Desenberg), welches im Jahre 1838 abgelöst wurde.

Im Jahre 1209 bestätigte Probst Bruno von Weisenstein, dass das Gericht zu Meiser in den Händen der Brüder Hermann und Stephan von Schartenberg sei.

Wappen

Das Wappen derer von Schartenberg

 

Von 1250 bis 1329 waren die Herren von Dassel Richter des oberen Warmetals. Im Jahre 1356 hatte Kaiser Karl IV. den Landgrafen Otto, einen Freigrafen, für den Freistuhl Zierenberg eingesetzt.

In der Chronik wird weiter berichtet, dass Landgraf Otto den Johann von Marshusen, seinem Burgmanne in Liebenau (Libennowe), seiner Frau und seinen Erben 2 Hufen im Felde des Dorfs Obermeiser (Meysserde superioris) unter der Gerichtsbarkeit des Landgrafen und Gerhards gen. Spiegel, Herrn in Desenberg, von allen Abgaben und anderen Rechten befreit. Zeugen: Werner Ritter von Westerburg, Werner von Gudenberg, Reinher von Dalwigk (Datum: XIII kal. Februarii 1312)

Als Pleban (Pfarrer) wird in Obirmezere (Obermeiser) für das Jahr 1357 Albert von Herste benannt.

Die Chronik enthält unter dem 07. April 1455 einen Vermerk über Johann von der Malsburg (Malsseborg), Knappe, der dem Franziskanerkloster zu Hofgeismar 3 Malter partim Geismarischen Maßes von seinem vierten Teil des Zehnten zu Obermeiser (Overeb mesere) für 50 rheinische Gulden verkauft.

 
 
 
 
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